MEDIZINAL-CANNABIS UND FÜHRERSCHEIN: „ICH HATTE DAS GEFÜHL, MICH STÄNDIG RECHTFERTIGEN ZU MÜSSEN

Elena Müller, 34 Jahre alt, berufstätig und Medizinal-Cannabis-Patientin, erhielt aufgrund chronischer Schmerzen nach mehreren medizinischen Eingriffen eine ärztlich begleitete Cannabis-Therapie. Die Medikation war über längere Zeit stabil eingestellt. Nach eigenen Angaben kam es weder im Alltag noch im Straßenverkehr zu Auffälligkeiten.

Trotzdem begann für sie ein belastendes Verfahren mit der Fahrerlaubnisbehörde.

 

Auslöser war eine allgemeine Verkehrskontrolle, bei der bekannt wurde, dass Elena Müller Medizinal-Cannabis auf Rezept einnimmt. Obwohl sie ihre Unterlagen vollständig vorlegen konnte, wurde kurze Zeit später die Überprüfung ihrer Fahreignung eingeleitet.

„Ich hatte das Gefühl, dass allein das Wort Cannabis gereicht hat, damit plötzlich alles infrage gestellt wird“, schildert die 34-Jährige rückblickend.

Die Behörde verlangte weitere medizinische Nachweise und stellte Fragen zur Dauer der Einnahme, zur Dosierung und zu möglichen Auswirkungen auf ihre Fahrtüchtigkeit. Besonders belastend sei für sie gewesen, dass trotz fachärztlicher Begleitung immer wieder Zweifel an ihrer Eignung zum Führen eines Fahrzeugs geäußert wurden.

Ihr behandelnder Arzt bestätigte schließlich schriftlich, dass die Therapie stabil verlaufe, keine missbräuchliche Nutzung vorliege und keine Hinweise auf Einschränkungen im Straßenverkehr bestünden.

Dennoch wurde die Fahrerlaubnis vorläufig entzogen.

Erst durch anwaltliche Unterstützung und ein gerichtliches Verfahren konnte erreicht werden, dass die Entscheidung erneut überprüft wurde. Das Gericht stellte klar, dass eine ärztlich verordnete Cannabis-Therapie nicht automatisch bedeutet, dass jemand fahrungeeignet ist. Entscheidend sei immer die konkrete individuelle Situation.


Eine 34-jährige Medizinal-Cannabis-Patientin blickt in die Kamera. Das Porträt zeigt eine junge berufstätige Frau im Freien und begleitet einen Fallbericht über Führerscheinprobleme trotz legal verordnetem Cannabis auf Rezept.

Ich wollte einfach nur normal behandelt werden“, beschreibt Elena Müller die vergangenen Monate. „Es geht nicht darum, Regeln zu umgehen. Es geht darum, trotz Krankheit ein normales Leben führen zu können.“

 

Der Fall zeigt, wie sensibel Fahrerlaubnisverfahren im Zusammenhang mit Medizinal-Cannabis weiterhin geführt werden – selbst dann, wenn eine legale ärztliche Verordnung und eine stabile Therapie vorliegen.


Oliver Rabbat

Fachanwalt für Strafrecht

Anwalt für Verkehrsrecht

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